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 Caspar und Maria Kersting Am 1. April 1934 zogen die Eheleute
Caspar und Maria Kersting mit ihren
Kindern Heinrich, Änne, Mia, Otto und
Paul von Eslohe nach Attendorn. Sie
traten die Unternehmensnachfolge der
Wirtsleute Knecht im „Hotel zur Post“
an.
Caspar Kersting, geb. am 24.10.1888
in Westfeld bei Schmallenberg-
Oberkirchen war als Hufschmied in
Eslohe und verweigerte als ehemaliger
Ortsvorsteher seinem NSDAP–
Nachfolger die politische Gleichschaltung.
Zusammen mit seiner Ehefrau
Maria, geborene Schwermann, Tochter
aus der damals gut gehenden Gaststätte
„Zur Heilquelle“ mit 7 Fremdenzimmern
mit Bad in Klosterbrunnen,
betätigte er sich als Festwirt für Schützenfeste.
(Zu den besten Zeiten richteten
sie 26 Schützenfeste in einer Saison
aus.) Als Ortsvorsteher konnte
Caspar Kersting den Bau der ersten
Kanalisation und des ersten
Schwimmbades in Eslohe begleiten.
 Hotel zur Post - 1935 Die erste Initiative zur Übernahme des
„Hotel zur Post“ in Attendorn ergab
sich im Sommer 1933: Caspar Kersting
verabredete sich zur Abrechnung des
Windhauser Schützenfestes mit der
Vertreterin der Dortmunder Union
Brauerei, Frau Schürmann, genannt „Union-Treschen“ im „Hotel zur Post“
bei der Familie Knecht.
Hier stellte sich heraus, dass Wilhelm
und Maria Knecht, die 35 Jahre das
„Hotel zur Post“ bewirtschafteten und
deren Töchter beide kein Interesse an
der Weiterführung hatten, Nachfolger
suchten.
Man wurde sich sehr zügig einig und
der Umzug wurde alsbald vorbereitet.
In der Zwischenzeit verstärkte sich der
politische Druck in Eslohe auf Caspar
Kersting, der stets zu seinem jüdischen
Freund, dem Viehhändler Robert
Goldschmidt hielt und sogar den
neuen Ortsvorsteher mit einem Schubs
die Treppe hinab des Hauses verwies.
Caspar Kersting erhielt ein einwandfreies
polizeiliches Führungszeugnis,
jedoch kein tadelloses politisches. Aus
diesem Grunde erhielt er in Attendorn
nur eine befristete Schankerlaubnis
(damit ein Jahr sein Betragen „getestet“
werden konnte).
 Auf der Brückenwaage vor dem Hotel Als Wirt im „Hotel zur Post“ bewirtete
er zahlreiche Vereine, hatte Abonnenten
zum Mittagtisch, Geschäftsreisende
und Erholung suchende Gruppen.
Vor dem Hause in den Gehweg eingelassen
befand sich bis in die 50er Jahre
eine Brückenwaage.
Vor allem zu Zeiten der belgischen
„Besatzung“ in den Nachkriegs-Wirren
ranken sich Geschichten und Anekdoten
um dieses Wiege-Instrument:
Beispielsweise durften die Bauern nur
begrenzt Schweine selbst schlachten
und verarbeiten. So mussten die Tiere
unter polizeilicher Aufsicht gewogen
werden. Dem Dienst tuenden Amtmann
ging es vor dem „Hotel zur Post“
recht gut (diverse Getränke wurden
gereicht). Der Wagen mit dem Vieh
wurde gewogen und das Gewicht notiert;
danach wurde das Vieh abgeladen,
der Wagen mit Bleiplatten beladen
und anschließend das „Leergewicht“
festgestellt.
So begab es sich, dass bei einer Ladung
der „leere“ Wagen schwerer war
als der befüllte. Der lakonische Kommentar
des vereidigten Wiegemeisters
Caspar Kersting: „Dis hässe övertrieven!“
Fest steht, dass in der „schlechten
Zeit“ vor dem Hause Kersting durch
Schnaps und geschlossene Augen
manch gutes Werk getan werden
konnte.
Zunächst gab es im „Hotel zur Post“
nur das Dortmunder Union Bier im Ausschank; durch die enge Freundschaft
Caspar Kerstings mit Carl Veltins,
welche durch nachbarschaftliche
Beziehungen, sowie gute Zusammenarbeit
bei der Bewirtschaftung von
Schützenfesten geschlossen wurde,
gab es später auch Veltins Pilsener im
Ausschank.
Mangels Nachfrage seitens der Gäste
wurde das Dortmunder Bier zum Ende
der 80er Jahre aus dem Ausschank
genommen, kurz nachdem die Zusammenarbeit
sich zum 50. Mal gejährt
hatte.
 Thekenansicht in der Gaststätte Ein besonders Faible zeigte Caspar
Kersting mit dem Bau und der Modernisierung
seines Hauses. Zahlreiche
An-, Um- und Neubauten sind ihm zu
verdanken:
Auf dem angrenzenden Grundstück
wurde 1936/1937 das Haus Ennester
Straße 2 gebaut, welches zunächst
Garagen und 2 Wohnungen enthielt.
Das vordere Haus wurde 1951/1952
um eine dritte Etage aufgestockt; im
hinteren Teil des Gebäudes wurden
Fremdenzimmer gebaut.
Der Festsaal wurde nach hinten heraus
vergrößert und eine freitragende
Stuckdecke eingebaut.
 Caspar Kerstings Sohn Otto 1937 vor dem Neubau Ennester Straße 2 “Menschen im Hotel“ – Eines der erzählenswerten,
zahlreichen Geschehnisse
im Hause gehört in diese Epoche:
Zur Unterbringung von Gästen aus
Ägypten, die Attendorner Armaturenhersteller
besuchten, wurden die neu
erstellten Zimmer der aufgestockten
Etage eiligst möbliert. Hier befand sich
ein für diese Zeit hochmodernes Etagenbad
mit Duscheinrichtung, Wanne
und Toilette. Am Abend, der Hausherr
saß mit Gästen beim beliebten Whistkartenspiel
am Stammtisch, tropfte es
plötzlich und durchaus unerwartet aus der Stammtischlampe. Um der Ursache
auf den Grund zu gehen lief Sohn
Paul Kersting nach oben und musste
zu seiner Verwunderung erblicken: Ein
Ägypter stand in der Badewanne und
duschte die vergnügt vor der Wanne
auf den Dielen tanzenden „Söhne des
Nils“, die vor Freude über das nicht
enden wollende Wasserwunder juchzten.
1955 eröffnete Caspar Kersting das
Kino im „Tangel“ mit dem Film „3 Männer
im Schnee“ mit Paul Dahlke. Das
Anno–Haus, das Kino an der Finnentroper
Straße, wurde nach Geschäftsaufgabe
des Betreibers Breidebach
angepachtet und solange fortgeführt,
wie es mit dem zunehmenden
Aufkommen des Fernsehers und der
Videotechnik noch rentabel war.
Caspar Kersting übergab den Hotelbetrieb
an seinen Sohn Paul mit Ehefrau
Elfriede, geborene Hamberger, aus
dem „Hotel zur Post“ in Reit im Winkl.
Die Weiterführung des Kinos übergab
Caspar an seinen Sohn Heinrich und
Frau Gertrud, geborene Sangermann,
aus Attendorn; Heinrichs Sohn Michael
Kersting führt seit 1994 mit seiner Frau
Annette, geborene Rohmann, aus
Alstätte das Dom-Café im Herzen der
Altstadt.
 Das vordere Gebäude nach der Aufstockung 1951/1952 Sohn Paul erbte wie viele Nachkommen
Caspars die Leidenschaft für emsige Bautätigkeiten: Um den zahlreichen
Reisegruppen, die vor allem aus
dem Ruhrgebiet und den Benelux –
Ländern kamen, mehr Komfort bieten
zu können, erweiterte er das Hotel um
ein Schwimmbad, baute im Gebäude
Ennester Straße 7 Doppelzimmer mit
Bad, baute angrenzend an das Grundstück
Niederste Straße 9 eine Garage
sowie darüber 4 Doppelzimmer mit
Bad; er verlegte die Toiletten in das
Erdgeschoss und renovierte Restaurant
und Saal.
Seine letzte große Bautätigkeit war der
Einbau eines Personenaufzuges im
Jahre 1991.
Mit Geschäftsaufbau der Biergroßhandlung
von Fritz Halberstadt, einem
Cousin Paul Kerstings, wurde auch
das Bitburger Pils in den Ausschank
genommen. Diese Besonderheit, dass
ein Haus zwei Pils der besten Qualität
im Ausschank hat, ist bis heute erhalten
geblieben.
Unter den Gästen, aber auch den Mitarbeitern
im „Hotel zur Post“ befand
sich so manches Attendorner Original
und oftmals ging es hoch her.
Gerne erinnern wir an: Carlo Dingerkus,
Hülter’s Herbert, Fehr’s Imel, Zenker’s
Friedel, Rauterkus’ Grigoli, Else
Hesse, Graf’s Agnes, Beul’s Rudi,
Kniep’s Karl, Sondermann’s Bübchen,
König’s Fritz, Heuel’s Kalla, Müller’s
Micki, Beul’s Stacho, Qinker’s Quabbel,
Harnischmacher’s Albert, um nur
einige Namen zu nennen.
 Heinrich Kersting und Paul Roll, genannt Caesar. Allen voran, der dem Hause sein Lebtag
zutiefst verbundene Caesar, Paul
Roll, der täglich im Ausschank half,
sowie die erst kürzlich verstorbene
Thea Annen.
1992 verpachtete Paul den Hotelbetrieb
an seinen Sohn Otto und dessen
Frau Eva, geborene Heller, aus Attendorn.
Ihre Kinder Felix, Lukas und Paula
besuchen Attendorner Schulen.
Um den immer höheren Ansprüchen
an Ausstattung und Qualität gerecht zu
werden, haben Eva und Otto zahlreiche
Renovierungen und Modernisierungen
vornehmen müssen.
Die untere Etage wurde komplett umgebaut:
Um Hotelgäste in einer Rezeption
entsprechend begrüßen zu können,
wurde die beliebte Gaststätte zur Rezeption umgebaut. Die Gaststätte
wurde in das vormalige Restaurant
verlegt und der Saal von Grund auf
renoviert.
 Ansicht des Saals in einer Werbebroschüre vor dem Umbau Etwas später wurde die Küche
umgebaut und optimiert, sodass
Platz für ein kleines Restaurant entstand.
Aus einem ehemaligen Vorratskeller
wurde der beliebte Restaurantraum
„Gewölbekeller“ mit dicken
Bruchsteinmauern, von denen vermutet wird, dass sie aus dem 14./15.
Jahrhundert stammen.
In der Gaststätte freuen sich Otto und
Eva Kersting darauf, viele Stammtische
regelmäßig begrüßen zu dürfen.
Auch zahlreiche Vereine, Kegelclubs,
Chöre und Karnevalsgruppen halten
dem Haus die Treue.
Während Paul und Elfriede Kersting
zumeist Kurzurlauber, Reisegruppen
und Vertreter als Außendienstler verschiedenster
Unternehmen im Hotel
begrüßen durften, zählen Otto und Eva
Kersting schwerpunktmäßig Geschäftsreisende
und Monteure, die in
der heimischen Industrie tätig sind, zu
ihren Hotelgästen.
Um deren Ansprüchen an Komfort und
Technik gerecht zu werden, blieben
durch Zimmervergrößerungen und
Einbau von Badezimmern von vormals
40 Zimmern mit 70 Betten 24 Zimmer
mit 41 Betten übrig. Um den modernsten
Erfordernissen des Brandschutzes
gerecht zu werden, wurden sämtliche
Treppenhäuser und Türen erneuert,
sowie ein elektronisches Brandmeldesystem
installiert. Die letzte Qualifizierung
2008 durch den Hotel- und Gaststättenverband,
DEHOGA, verlieh dem
Stammhaus 3 Sterne und wegen der
überdurchschnittlich hohe Servicequalität
den Zusatz „superior“.
 Heinrich und Änne Kersting, im Hintergrund das Ores Haus, Schemperstr. 6 Eva Kerstings Eltern, Rudolf und Karola
Heller kauften Ende der 90er Jahre das Grundstück Schemperstraße 6,
das so genannte „Ores-Haus von der
Erbengemeinschaft Viegener–Ores/
Richardshagen, aus Opladen.
Hier errichteten sie 1999/2000 nach
modernsten Gesichtspunkten geplant,
das Gästehaus „Postkutsche“ mit 4
Einzel-, 4 Doppelzimmern und 3 thematisch
gestalteten, luxuriös ausgestatteten
Suiten.
Das Gästehaus bekam bei der letzten,
turnusgemäßen Klassifizierung im
Herbst 2008 durch den DEHOGA wiederum
4 Sterne „garni“ verliehen.
Im immer schnelleren Wandel der
Technik wird das Haus laufend auf
dem neuesten Stand gehalten, so zum
Beispiel durch Umstellung in der Küche
auf Induktionstechnik und modernste
Garverfahren und Installierung
mehrerer WLAN – Systeme auf den
Fremdenzimmern.
Über die betriebliche Tätigkeit hinaus
engagieren sich Otto und Eva Kersting
ehrenamtlich zum Wohle der Stadt Attendorn.
Otto steht dem Wirteverein
vor und Eva ist Mitglied der CDUFraktion
im Rat der Stadt Attendorn
sowie Vorsitzende des Verkehrsvereins.
Die Familientradition bewahren und
modernen Anforderungen unserer Zeit
gerecht zu werden muss kein Gegensatz
sein:
Wir sind gerne Gastgeber in Attendorn!
Wir freuen uns, Sie begrüßen zu dürfen,
ob als Attendorner Bürger oder als
Besucher unserer schönen Heimatstadt!
Eva und Otto Kersting
Unser herzlicher Dank gilt Mia und
Heinrich Kersting, die uns mit familiengeschichtlichen
Erzählungen
und Familienfotos versorgt haben!
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